Sophiensæle

Sophiensæle, 2025, Bild: Raisa Galofre
Sophiensæle
Sophienstraße 18
10178 Berlin
Blaupause Berlins
Aus den Ecken, Höfen, Fenstern und Ritzen der Sophiensæle treten hundert Jahre Berlin-Geschichte zum Vorschein. Als Handwerkervereinshaus waren die Sophiensæle einst Ort für politische Reden, Varieté und jiddisches Theater. Das Haus hatte eine eigene Zeitung, eine Bibliothek und eine Kegelbahn. 1933 wurde es aufgrund seiner Verbindung zur kommunistischen Bewegung sofort geschlossen und in ein Lager für Zwangsarbeit umgewandelt. Zu DDR-Zeiten dienten die Sophiensæle als Werkstatt für Bühnenbildentwürfe des Maxim Gorki Theaters, später wurden sie Teil der unabhängigen Berliner Kulturszene.
Mit flüchtigen Akten der Lebendigkeit wie Powada-Gesängen, Stepptanz und Anyeint-Kabarett treten die künstlerischen Arbeiten in einen Dialog mit dem Gebäude als Protagonist gelebter Geschichte. Licht, Gesten, Sprache und Stimme erhalten die Dimension von Choreografien und Theater und führen uns zurück in die Kabarette der Weimarer Zeit, zur gewaltsamen Schließung von Kulturräumen, in den kulturellen Osten der Stadt und bis zu den jüngst stattfinden Wahlen.
Geschichte des Gebäudes
Die Sophiensæle sind seit ihrer Gründung im Jahr 1996 eines der wichtigsten Produktionshäuser für die freien darstellenden Künste in Berlin und darüber hinaus. Das Gebäude, in dem die heutigen Sophiensæle zu finden sind, wird für die 13. Berlin Biennale zur „Blaupause Berlins“, an der sich die Geschichte der Stadt im Verlauf des 20. Jahrhunderts beispielhaft nachvollziehen lässt. Es erzählt nicht nur vom Erstarken sozialdemokratischer Kräfte und der Arbeiter*innenbünde sowie von ihrer Zerschlagung durch die nationalsozialistische Diktatur, es erzählt gleichermaßen vom Neuentwickeln demokratischer Prinzipien und dem Besetzen von Räumen im Zentrum der Stadt durch Künstler*innen.
Von 1904 bis 1905 als Handwerkervereinshaus gebaut, ist das Gebäude zwar ursprünglich der Bildung von Arbeiter*innen gewidmet, entwickelt sich aber bald zum Treffpunkt der revolutionären Linken. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Erich Mühsam und Clara Zetkin sprechen hier, hier warnt Erich Mühsam zu Beginn der 1920er Jahre vor dem erstarkenden Faschismus in Deutschland. Nach der Machtübernahme der NSDAP wird der Handwerkerverein eilig verboten, das Vereinshaus geschlossen. Einige Jahre später werden die Räume der Sophiensæle – wesentlich der Festsaal – für Zwangsarbeit missbraucht, um Flugblätter der Propaganda für das faschistische Regime produzieren zu lassen. Spuren dessen sind an den Wänden der Sophiensæle noch heute zu erkennen.
In den Jahren der DDR beziehen die Bühnenwerkstätten des Maxim Gorki Theaters die Räume, bevor die Sophiensæle im Herbst 1996 von Sasha Waltz und Jochen Sandig gemeinsam mit Jo Fabian, Holger Zebu Kluth und Dirk Cieslak als freies Theater neu gedacht werden – von Künstler*innen für Künstler*innen. Seitdem präsentieren die Sophiensæle die Vielfalt der zeitgenössischen darstellenden Künste auch jenseits von Genregrenzen, darunter etablierte Positionen und Nachwuchskünstler*innen, lokale und internationale Perspektiven.