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09.06.–15.06.
Eine Theaterszene mit zwei Personen, die auf dem Boden sitzen und zwei Personen, die stehen. Die Untertitel lauten "Du drückst nur eine neue Art von Gesetz aus, weißt du?".

Stacy Douglas, One Day III [Ein Tag III] aus Law Is Aesthetic: Trope [Gesetz ist ästhetisch: Trope], 2025, Videostill © Stacy Douglas

Eine Person mit langen dunkeln Haaren steht entspannt vor einer weißen Wand und schaut direkt in die Kamera .Ein grün-gelber Filter wurde über das Foto gelegt.

Stacy Douglas, *1981 in Peterborough, Kanada. Orte der Zugehörigkeit: London, Minneapolis, Ottawa. Verbundenheit: 9x9. Buch: Curating Community. Museums, Constitutionalism, and the Taming of the Political, 2017.

© Rebecca Schein

Franz Kafkas Roman Der Prozess (1925) konfrontiert einen nichtsahnenden jungen Mann mit der Grausamkeit der Bürokratie, als er eines Morgens eines Vergehens angeklagt wird, dessen er sich nicht bewusst ist. Seine Versuche, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren, ziehen die Undurchsichtigkeit und Absurdität von Gerichtsverfahren ins Lächerliche, während seine Unfähigkeit, sich zu verteidigen, alles andere als komisch ist.

Als Professorin für Rechtswissen- schaften nutzt Stacy Douglas ihre Expertise, um aufzuzeigen, in welcher Weise Rechtsnormen der Annahme unterliegen, immer im Recht zu sein, anstatt als wandelbarer (und fehlbarer) Gesellschaftsvertrag betrachtet zu werden. Das bedeutet: Wer andere Positionen vertritt – und sei es unwissentlich, wie Kafkas Protagonist – befindet sich automatisch im Unrecht.

Mit den Auswirkungen dieses falschen Verständnisses beschäftigt sich Douglas in Law Is Aesthetic: Trope. Das erste Kapitel des vierteiligen Videos verbindet Beispiele für die Trope, sich unverhofft auf der falschen Seite des Gesetzes wiederzufinden, mit Aufnah- men von Nachrichtensprecher*innen, die unerwartete Ereignisse als „kafkaesk“ beschreiben. Dieser Begriff taucht auch im zweiten Kapitel wieder auf, in dem eine Person, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, Auszüge aus kanadischen Gerichtsentscheidungen vorliest, in denen derselbe Terminus verwendet wird. Das dritte Video zeigt die Probe zu Douglas’ Einakter mit dem Titel Waiting for Law – eine Anspielung auf Samuel Beckett –, in dem zwei Personen des Wartens und Nicht-Wartens angeklagt werden, was beides nicht erlaubt ist. Das letzte Video präsentiert eine Reihe von Liebesbriefen an „Gegen-Monumentalität“, eine zentrale These ihrer akademischen Arbeit.

 

Text: Kate Sutton

Eine Person mit langen dunkeln Haaren steht entspannt vor einer weißen Wand und schaut direkt in die Kamera .Ein grün-gelber Filter wurde über das Foto gelegt.

Stacy Douglas, *1981 in Peterborough, Kanada. Orte der Zugehörigkeit: London, Minneapolis, Ottawa. Verbundenheit: 9x9. Buch: Curating Community. Museums, Constitutionalism, and the Taming of the Political, 2017.

© Rebecca Schein

Stacy Douglas, Law Is Aesthetic: Trope [Gesetz ist ästhetisch: Trope], 2025 Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Stacy Douglas; Bild: Eberle & Eisfeld