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09.06.–15.06.

Zamthingla Ruivah Shimray, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, 2025. © Zamthingla Ruivah Shimray; Bild: Aristidis Schnelzer

Eine Person mit dunklen langen Haaren steht vor einem Waldhintergrund und lächelt. Die Person trägt ein gemustertes Kleid. Ein grün-gelber Filter liegt über dem Foto.

Zamthingla Ruivah Shimray, *1963 in Ukhrul, Indien. Orte der Zugehörigkeit: Ukhrul. Verbundenheit: Tangkhul Shanao Long. Buch: Unravel: The Power and Politics of Textiles in Art, 2024.

© Courtesy Zamthingla Ruivah Shimray

Der Kashan ist ein Wollsarong, den Frauen in den Naga-Bergen in Indien tragen. Zamthingla Ruivah Shimrays Arbeit Luingamla Kashan ist eine Elegie für eine Freundin in Form eines leuchtend roten Tuchs. Die Muster wurden über vier Jahre hinweg überarbeitet, um Brutalität, den fröhlichen Geist eines jungen Mädchens und den Weg zur Gerechtigkeit zu versinnbildlichen. Die geometrischen Muster des Sarongs reduzieren Geschichte in Insektenmetaphern.

Indische Armeeoffiziere ermordeten die junge Luingamla Muinao im Jahr 1986, nachdem sie versucht hatten, sie zu vergewaltigen. Gemäß dem Armed Forces Special Powers Act (1958) aus der Kolonialzeit waren sie vor der Strafverfolgung durch Zivilgerichte geschützt. Student*innengruppen und Frauenorganisationen schlossen sich damals zusammen, um den Fall vor Gericht zu bringen – vier Jahre später gewannen sie ihn. Shimray hat diesen Kashan gewebt, um Luingamlas Weg zur Gerechtigkeit zu gedenken. Der Kashan ist inzwischen Teil der lebendigen Kultur geworden, in Form von Liedern und Erinnerungen wird seine Geschichte weitergegeben. Heute ist er in 232 Dörfern verbreitet, in denen über 6.000 Frauen leben, die schon mehr als 15.000 Luingamla Kashans hergestellt haben.

Shimray präsentiert außerdem zwei neue Webarbeiten in Form von Kachons, großen traditionellen Schals. Diese Werke erzählen von den Gewaltausbrüchen von 2023 bis 2024 in Manipur, Indien. Eingewebt in den Rai-Mui Kachon sind Bilder von Straßenblockaden und Protestant*innen zu erkennen, Kämpfe, das Niederbrennen von Tempeln und Häusern, Ermordungen durch den Mob und Todesopfer. Der Rairā Kachon hingegen ist eine verschlüsselte Botschaft, geschrieben in einer Sprache aus Form, Farbe und Rhythmus, die darauf wartet, entschlüsselt zu werden.

Shimrays Werk hat das Potenzial, unsere Sicht auf die Kunst zu verändern. Es weist den Weg zu etwas Neuem: zur Zukunft der Abstraktion, der Semiotik, zur Neuerfindung von Formen der Kollaboration und Möglichkeiten der politischen Kunst.

Text: Sumesh Sharma

Eine Person mit dunklen langen Haaren steht vor einem Waldhintergrund und lächelt. Die Person trägt ein gemustertes Kleid. Ein grün-gelber Filter liegt über dem Foto.

Zamthingla Ruivah Shimray, *1963 in Ukhrul, Indien. Orte der Zugehörigkeit: Ukhrul. Verbundenheit: Tangkhul Shanao Long. Buch: Unravel: The Power and Politics of Textiles in Art, 2024.

© Courtesy Zamthingla Ruivah Shimray

Zamthingla Ruivah Shimray, Rairā Kachon [Kleiner Kachon-Krieg], 2025, Detailansicht, 13. Berlin Biennale, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, 2025 © Zamthingla Ruivah Shimray; Bild: Eberle & Eisfeld

Zamthingla Ruivah Shimray, Rai-Mui Kachon [Darstellung des Kachon-Kriegs], August 2023/24, Detailansicht, 13. Berlin Biennale, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, 2025. © Zamthingla Ruivah Shimray; Bild: Aristidis Schnelzer