Piero Gilardi


Piero Gilardi, Trofeo Pace vs Terrorismi [Friedenstrophäe vs. Terrorismus], 2015; Mulino di Trump [Trumps Mühle], 2017; Costume avvoltoio [Geier-Kostüm], 2016, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Fondazione Centro Studi Piero Gilardi; Bild: Diana Pfammatter, Eike Walkenhorst
ausstellungsort

Piero Gilardi, *1942–2023 in Turin, Italien. Orte der Zugehörigkeit: Turin, New York. Verbundenheit : NO TAV, Extinction Rebellion. Buch: La mia biopolitica. Arte e lotte del vivente. Scritti 1963–2014, 2016.
© Musacchio and Ianniello
Piero Gilardi hat durch die Verbindung von Konzeptkunst und karnevalesker Ästhetik post-surrealistische Visionen für eine Techno-Utopie nach seinen eigenen Vorstellungen geschaffen. Im Zeichen des politischen Engagements verknüpfen seine Werke die direkte Aktion des Agitprop mit der Renaturierungsökologie. Als zentrale Figur der Konzeptkunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und neben anderen engagierten, italienischen und internationalen Künstler*innen – wobei sich Gilardi mit seinen Denkanstößen zu Harald Szeemanns Ausstellung When Attitudes Become Form (1969) und Germano Celants späteren Arte Povera-Schauen hervortat –, entschloss sich der Turiner Künstler schließlich, die Welt aus einer umfassenderen Perspektive zu betrachten.
Die Artists’ Street bietet Gilardis karnevalesker Straßenprozession mit beeindruckenden, für eine folkloristische Zukunft imaginierten Figuren, die er für seine weltweiten Protestparaden erschaffen hat, eine Arena, wie sie ihm sicher gefallen hätte. Seine Visionen brachte er mit einer seltenen Vorliebe für das Groteske und einer avantgardistischen Herangehensweise an die aktuellsten politischen Fragen zum Ausdruck, gespeist aus Norditaliens historischen und gegenwärtigen Karnevalstraditionen sowie karnevalistischen Elementen der internationalen Anti-Kapitalismus- und Anti-Atom-Proteste, die er mit respektlosen Konterfeis der Mächtigen bereicherte.
2023 ist Gilardi – vor dem Aufstieg der neuesten Despoten – von uns gegangen. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach neuen Puppen, riesigen Köpfen und einem reichen Repertoire an Tricks und Finessen für den Straßenprotest, um den (zumindest symbolischen) Sturz der neuen Machthaber in dieser aus den Fugen geratenen Welt zu planen.
Text: Claire Tancons
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Piero Gilardi, *1942–2023 in Turin, Italien. Orte der Zugehörigkeit: Turin, New York. Verbundenheit : NO TAV, Extinction Rebellion. Buch: La mia biopolitica. Arte e lotte del vivente. Scritti 1963–2014, 2016.
© Musacchio and Ianniello

Piero Gilardi, Gabbiano accoglienza migranti [Möwe, die Migrant*innen willkommen heißt], 2012, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Fondazione Centro Studi Piero Gilardi; Bild: Diana Pfammatter, Eike Walkenhorst