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09.06.–15.06.

Nge Nom, The Ditch [Der Graben], 2025, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Nge Nom; Bild: Eike Walkenhorst

Nge Nom, *1990 in Yangon, Myanmar. Orte der Zugehörigkeit: Yangon.

Drei Tage nach dem Militärputsch in Myanmar am 1. Februar 2021 gründete Nge Nom das Civil Disobedience Movement (CDM) – ein Netzwerk, das Geld für Streikende im öffentlichen Dienst sammelt. Der Putsch eskalierte zu einem Bürgerkrieg und die brutale Niederschlagung durch das Militär führte zu Tausenden Toten, Massenvertreibungen und Warnungen vor einer Hungersnot. Mit der Nominierung für den Friedensnobelpreis wurde das CDM 2022 als eine gewaltfreie Widerstandsbewegung gewürdigt, die zur Formierung prodemokratischer Initiativen inmitten des zunehmenden Autoritarismus inspiriert und damit Generationen und ethnische Gruppen in Myanmar vereint. Um ihre Familie zu schützen, bleibt Nge Noms Identität geheim.

Im April 2021 nahm Nge Nom an einer Protestaktion in Myanmar in der Nähe ihres geheimen Unterschlupfs teil. Während sie mit anderen Demonstrant*innen eine Pomelo-Frucht teilte, sah sie, wie Militärfahrzeuge auf die Gruppe zurasten. Panik brach aus. Nach einer verzweifelten Flucht fand die Gruppe Schutz im Haus eines älteren Paares, das sie zu einem Graben im Hinterhof führte, in dem sie sich verstecken konnten. Als die Soldat*innen drohten, das Haus niederzubrennen, kroch Nge Nom in einen noch kleineren Graben. Ihre Freund*innen waren jedoch gelähmt vor Angst. Sie wurden später misshandelt und verhaftet. Nge Nom gelang die Flucht durch eine Öffnung in einem Holzzaun. Eine andere ältere Frau bot ihr an, sich bis zum Abend in ihrem Haus zu verstecken.

Die Installation aus Schlamm, Wasser, Pflanzen und einem Holzzaun wird so zu einem eindringlichen Symbol für das Überleben und den traumatischen Verlust, aber auch für die Klugheit und den mutigen Widerstand der jüngeren Generation Myanmars gegen die militärische Kontrolle. Die eher unpolitische ältere Generation wird von der Gen Z oft als „Generation Lee“ [Generation Penis] bezeichnet. Dennoch würdigt die Künstlerin in dieser Arbeit die generationsübergreifenden Beziehungen und den Schutz, den die ältere Generation trotz ihrer scheinbaren Neutralität den Fremden der jüngeren Generation gewährt haben.

Text: Somrak Sila

Nge Nom, *1990 in Yangon, Myanmar. Orte der Zugehörigkeit: Yangon.