Luzie Meyer


Luzie Meyer, Berlin Piece for Voice and Tap Dance [Berliner Stück für Stimme und Stepptanz], 2025, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, Sophiensæle, 2025. © Luzie Meyer; Sweetwater, Berlin; Fanta-MLN, Mailand; Bild: Eberle & Eisfeld
ausstellungsort

Luzie Meyer, *1990 in Tübingen, Deutschland. Orte der Zugehörigkeit: Moabit, Wedding, Schöneberg, Charlottenburg, Frankfurt am Main, Stockholm, Paris. Verbundenheit: Matter of Flux, ISE, Pure Fiction. Buch: Sibyl’s Mouths, 2023.
© Ala Sowiar/Halo Labels
Statement:
Die Kuratorinnen haben den Text zu diesem Kunstwerk auf Wunsch der Künstlerin ersetzt.
Neuer Text:
Berlin Piece for Voice and Tap Dance [Berliner Stück für Stimme und Stepptanz] ist eine 20-minütige, sechskanalige Audiokomposition aus Stimme und Stepptanz. Die Arbeit wird in der ehemaligen Kantine der Sophiensaele gezeigt – einem Ort, der einst für Hochzeiten, Feste und politische Versammlungen der Kommunistischen Partei Deutschlands genutzt wurde. Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin haben hier Reden gehalten.
Ausgehend von den hybriden Traditionen des Stepptanzes – geprägt von Migration, Unterdrückung, Unterhaltungskultur und industriellen Rhythmen – erkundet das Werk das Spannungsverhältnis von Freiheit und Kontrolle. Im Mittelpunkt steht ein poetischer Text in englischer und deutscher Sprache, in dem Reime, Alliterationen, Homophonie, semantische Verschiebungen, Metaphern und Wortspiele vorkommen. Durch Wiederholungen und Klangmuster verweben sich mehrere Bedeutungsebenen.
Entwickelt als Reaktion auf das kulturelle Klima Berlins, behandelt die ortsspezifische Arbeit die politischen Spannungen zwischen Oktober 2024 und Juni 2025: das Scheitern der regierenden Koalition und die Neuwahlen, die prekären Arbeitsbedingungen Kulturschaffender, die jüngsten Angriffe auf die Kunstfreiheit, die polarisierte Debatte über Deutschlands Haltung zum Krieg im Nahen Osten, das Erstarken der rechtspopulistischen AfD und die drohenden Kürzungen der Kulturförderung – all dies vor dem globalen Hintergrund von Umweltkrisen und einem Wiedererstarken faschistischer Tendenzen.
Die Komposition greift auf die reiche Geschichte des Ortes zurück und stützt sich auf Fragmente, die die Künstlerin während Gesprächen, Versammlungen von Künstler*innengewerkschaften, Ausstellungen, Senatsdebatten oder in den Nachrichten aufgeschnappt hat. Aneignungen von Texten vermischen sich mit Neologismen und sprachspielerischen Elementen – geprägt von der Perspektive der Künstlerin auf diesen historischen Moment. So kanalisiert die Arbeit die emotionale Spannung dieser Situation und legt die Wünsche, Ängste und Zwänge offen, die künstlerisches Schaffen unter erschwerten Bedingungen begleiten.
ausstellungsort

Luzie Meyer, *1990 in Tübingen, Deutschland. Orte der Zugehörigkeit: Moabit, Wedding, Schöneberg, Charlottenburg, Frankfurt am Main, Stockholm, Paris. Verbundenheit: Matter of Flux, ISE, Pure Fiction. Buch: Sibyl’s Mouths, 2023.
© Ala Sowiar/Halo Labels

Luzie Meyer, Tap Dance Board [Stepptanzbrett], 2025, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, Sophiensæle, 2025. © Luzie Meyer; Sweetwater, Berlin; Fanta-MLN, Milan; Bild: Aristidis Schnelzer