Judith Blum Reddy


Judith Blum Reddy, I’m Afraid of Americans [Ich habe Angst vor Amerikaner*innen], 2018, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Judith Blum Reddy; Bild: Diana Pfammatter und Eike Walkenhorst
ausstellungsort
Judith Blum Reddy, *1943 in New York. Orte der Zugehörigkeit: Paris, Wien. Verbundenheit: Hatch-Billops Archives. Dokumentarfilm: Everything is Not OK, 2025.
Es dürfte niemanden überraschen, dass eine US-Amerikanerin, die 2018 bekannt gab, „I’m Afraid of Americans“, drei Jahre später auch sagt, „Everything is not OK“ (Nichts ist okay), und damit die beiläufige Bemerkung „Everything is OK“ (Alles okay) in eine Kritik an der kulturellen Vertuschung im Namen der politisch korrekten Normalität verwandelt. Die erste Äußerung ist der Titel von Judith Blum Reddys Mixed-Media-Serie, die in der Artists’ Street gezeigt wird. Die zweite, drei Jahre vor der letzten US-amerikanischen Präsidentschaftswahl getätigte Aussage, ist nicht nur der Titel einer weiteren Serie, sondern auch ihrer ersten Retrospektive in Frankreich – dem Land, das sie als zweite Heimat bezeichnet. Was würde Blum Reddy dem nach den ersten fünf Monaten der 47. amerikanischen Präsidentschaft hinzufügen?
Als Nachfahrin von Überlebenden einer österreichischen jüdischen Familie, von der viele in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden, verwendet Blum Reddy Aufzeichnungen über Lagertransporte sowie weitere Listen bürokratischer Regime wie Frankreich vor 1968 und dem heutigen Indien. Diese Dokumente und anderes scheinbar triviales Archivmaterial, dessen Bedeutung sich erst in der Masse entfaltet, bilden das Rückgrat ihrer künstlerischen Arbeit. Scheinbar paradox, wie es Selbstporträts oft sind – und so sieht Blum Reddy ihre selbstreflexive Praxis auch – verwendet sie selbst genau jene von ihr kritisierte Methode. Durch die absurde Masse, die sie in ihren Assemblagen heraufbeschwört, verliert das Material jeden inhaltlichen Sinn und vermittelt Wahrheit nunmehr durch Blum Reddys eigene Form der direkten Demokratie: eine Kunst ohne Selbstzensur. Mit Fragmenten, die übersetzt etwa „Glückspille“, „Hirnschmerz“, „Fantastisch!“, „Wahrheitskader“, „Clownparade“ oder „Achse des Bösen“ bedeuten, setzt sie unverhohlener Gehirnwäsche eine starke politische Grammatik entgegen.
Text: Claire Tancons
ausstellungsort
Judith Blum Reddy, *1943 in New York. Orte der Zugehörigkeit: Paris, Wien. Verbundenheit: Hatch-Billops Archives. Dokumentarfilm: Everything is Not OK, 2025.

Judith Blum Reddy, I’m Afraid of Americans [Ich habe Angst vor Amerikaner*innen], 2018, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Judith Blum Reddy; Bild: Diana Pfammatter und Eike Walkenhorst

Judith Blum Reddy, Futurama, 2015, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Judith Blum Reddy; Bild: Diana Pfammatter und Eike Walkenhorst