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09.06.–15.06.

Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa, Doctor Bwanga in Berlin [Doktor Bwanga in Berlin], 2025, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa; Bild: Eike Walkenhorst

Eine Person sitzt mit gefalteten Händen nach vorne gelehnt und schaut direkt in die Kamera. Die Person trägt eine Brille. Ein grün-gelber Filter liegt über dem Foto.

Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa, *1987 in Chingola, Sambia. Orte der Zugehörigkeit: Lusaka, Livingstone, Lilongwe. Verbundenheit: Livingstone Office for Contemporary Art (LoCA). Blog: bennyblowwrites.wordpress.com, 2017–2025.

©Namukolo_Siyumbwa

Warum übt die numerische, virtuelle Benutzungsoberfläche von Instagram und anderen Plattformen eine derart machtvolle Überzeugungskraft aus? Als europäische Mächte die Welt eroberten, zielte ihr zivilisatorisches Projekt darauf ab, traditionelle Glaubenssysteme, Heilmethoden und volkstümliche Praktiken zu vernichten, die die Menschen miteinander verbanden.

Für die 13. Berlin Biennale lädt Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa die fiktive Figur des Doktor Bwanga ein, als traditioneller Heiler – in Sambia Ng’aka genannt – die Sorgen des modernen Menschen zu kurieren: Ängste, verursacht durch politische Systeme, korrupte Regime oder die eitlen Egos von Männern.

Die Praxis des Heilers als dritte Dimension menschlicher Interaktion zu betrachten, ist für Kapumpa ein Weg, das unterbewusste Wissen unserer Vorfahr*innen durch Geschichtenerzählen und Wahrsagerei zu erforschen. Obwohl sambische Volkstraditionen während der britischen Kolonialherrschaft unterdrückt wurden, haben sie überlebt – und sind in vielen Gemeinschaften entlang des Flusses Sambesi weiterhin von zentraler Bedeutung.

Kapumpa hat für diese Sitzungen eine in Deutschland übliche Telefonzelle mit einem sambischen Strohdach gebaut. Besucher*innen können Doktor Bwanga von hier aus anrufen, seine künstlich generierte Stimme erteilt Rat. Wir glauben an die meisten digitalen Mythen – und zweifeln zugleich an dem, was als „volkstümliches Wissen“ gilt.

Doktor Bwangas Ankunft kündigen Plakate im Berliner Stadtraum und eine Social-Media-Kampagne an – ein Echo der vielen Werbezettel für Heiler*innen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln, Toiletten oder an Behördengebäuden kleben. Denn es gibt sie überall, die potenziellen Kund*innen, die auf der Suche nach Legitimation für die eigene Existenz sind. Für Doktor Bwanga sind die Füchse, die durch Berlin streifen, ein Zeichen dafür, dass die Geister der deutschen Ahn*innen ihre Nachkommen besuchen, die sich dringend mitteilen wollen. Doktor Bwanga ist ihr Medium – ironischerweise ein Algorithmus, der uns dazu bringen will, an ihn zu glauben.

Text: Sumesh Sharma

Eine Person sitzt mit gefalteten Händen nach vorne gelehnt und schaut direkt in die Kamera. Die Person trägt eine Brille. Ein grün-gelber Filter liegt über dem Foto.

Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa, *1987 in Chingola, Sambia. Orte der Zugehörigkeit: Lusaka, Livingstone, Lilongwe. Verbundenheit: Livingstone Office for Contemporary Art (LoCA). Blog: bennyblowwrites.wordpress.com, 2017–2025.

©Namukolo_Siyumbwa

Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa, Doctor Bwanga in Berlin [Doktor Bwanga in Berlin], 2025, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa; Bild: Eike Walkenhorst

Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa, Doctor Bwanga in Berlin [Doktor Bwanga in Berlin], 2025, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Bwanga „Benny Blow“ Kapumpa; Bild: Eike Walkenhorst